STROMVERSORGUNG STARKSTROM

Unter den vielen Dingen, die bei einer Bühnenaufführung, bei einem Gig oder einem Set schief gehen können, ist der Ausfall der Stromversorgung schon fast das Schlimmste. Es ist mir nicht nur ein mal passiert, dass die Sicherung während des Auftritts einer Band herausgeflogen ist und damit der Party einen Dämpfer verpasst hat.

In so einem Fall, wenn man von einer herausgeflogenen Sicherung spricht, bedeutet das meistens, dass im Sicherungskasten entweder ein Leistungsschutzschalter wegen zu hoher Stromaufnahme oder der RCD/FI wegen eines zu hohen Ableitstroms ausgelöst wurde.

Leitungsschutzschalter

Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) überwachen im inneren den Stromfluss. Sollte der Stromfluss eine längere Zeit leicht über dem Maximalwert liegen, erwärmt sich im Inneren des Schalters ein Bimetall, welches den Stromkreis dauerhaft unterbricht. Je nach Typ liegt der Maximalwert zum Beispiel bei einem B16 Automaten bei 16 Ampere. LS-Schalter lösen außerdem bei einem Kurzschluss aus, hier unterbricht nicht das Bimetall sondern es findet eine viel schnellere elektromagnetische Auslösung statt.

Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD)

Fehlerstrom-Schutzschalter überwachen den Ableitstrom über dem Schutzleiter gegen Erde. Sollte im inneren einer Endstufe oder eines anderen Geräts mit Schutzleiter, ein spannungsführendes Teil in Kontakt mit dem Gehäuse kommen, löst der RCD aus und unterbricht den Stromkreis. Dies soll verhindern, dass der Kontakt mit defekten Geräten zu einem tödlichen Stromschlag führen. Ableitströme können auch durch zu hohe Feuchtigkeit resultieren, wie sie bei einem verschütteten Getränk auftritt. Gängige RCDs lösen bereits bei einem Ableitstrom von 30mA aus. Die Bezeichnung FI ist der alte Begriff für Fehlerstrom-Schutzschalter.

Um Stromausfälle zu vermeiden sollte man immer wissen wie viel Leistung man für das eigene Equipment benötigt. Nun leben wir glücklicherweise in Zeiten von LED Lampen, bei denen sich die Leistungsaufnahme im Gegensatz zu den Strahlern früher, deutlich reduziert hat.

Ich möchte hier als Beispiel einmal die Leistungsaufnahme einer passiven PA Anlage aufführen. Dazu müssen folgende Geräte mit Strom versorgt werden:

  • SynQ 3k6 Endstufe Subwoofer – Leistungsaufnahme: 3900W
  • t.amp E800 Endstufe Tops – Leistungsaufnahme: 1500W
  • Behringer DCX2496 Ultra-Drive: Leistungsaufnahme: 12W
  • Mischpult Behringer DX 2000 USB: Leistungsaufnahme: 37

Mit dieser Konfiguration kommt man alleine für die PA auf eine Gesamtleistung von 5451Watt (maximal). Sollte nun ein B16 Automat verbaut sein, könnte diese Konfiguration schon Probleme verursachen, denn bei einem Stromfluss von 16A sind lediglich 3600Watt Leistungsaufnahme möglich. Auch wenn die 5451Watt nur bei einem Vollastbetrieb auftreten, so liegen diese doch über 1800Watt über dem maximal erlaubten.

Die aufgeführten Leistungsangaben findet man entweder auf der Rückseite des Geräts oder aber in dem entsprechenden Handbuch oder Datenblatt, welches der Hersteller zu jedem Gerät heraus gibt. Im Fall der Subwoofer-Endstufe bin ich in der Bedienungsanleitung fündig geworden.

Drehstrom/Starkstrom

Dieser 16A Drehstrom- oder Starkstrom-Verteiler besitzt an der Vorderseite einen Drehstromeingang und auf der Rückseite eine Steckdosenleiste. Der Vorteil eines solchen Verteilers ist, dass die Steckerleiste in drei Phasen aufgeteilt ist und jede dieser Phasen besitzt einen eigenen B16 Automaten. Die Subwoofer Endstufe könnte also an eine eigene Phase angeschlossen werden und der Rest der Komponenten an eine andere. Die dritte Phase wäre frei und könnte der Band als Stromversorgung dienen.

16A und 32A Starkstrom

Da ich häufig auf Schützenfesten im Zelt unterwegs bin, weiß ich nie so genau welche Stromversorgung mich dort erwartet. In der Vergangenheit ist es daher schon ein mal vorgekommen, dass ich einen Drehstromanschluss mit einem 32 Ampere Stecker vorgefunden hatte. Dieser Stecker ist etwas größer als der 16A Stecker und kann doppelt so viel Strom pro Phase liefern.

Jedoch kann dieser Stecker aus zwei wichtigen Gründen nicht einfach so genutzt werden: Zum einen ist der oben beschriebene Stromverteiler nicht mit einem 32A Eingang ausgestattet, zum anderen müssen alle Geräte mit Schutzkontaktsteckern an einem mit 16A abgesicherten Automaten betrieben werden. Das ganze ist gesetzlich vorgeschrieben und soll einem möglichen Kabelbrand bei defekten Geräten vorbeugen. Die Lösung dieses Problems lässt sich auf dem Bild begutachten. Da es wegen der fehlenden Absicherung nicht möglich ist, einfach nur einen Adapter mit zwei Steckern zu bauen, ist in der Mitte der Anordnung ein Leitungsschutzschalter angebracht, welcher jede Phase auf 16A absichert. Nur so ist eine sichere Stromversorgung möglich. Für interessierte habe ich hier einen noch etwas besseren Adapter von Amazon verlinkt: